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45.000 Lkw-Fahrer gesucht – Berufsimage macht der Logistik Sorgen

FairTruck setzt Zeichen für bessere Arbeitsbedingungen

Von Yeliz Kavak-Küstner

 

Zwei von drei Lkw-Fahrern gehen in den nächsten 15 Jahren in Rente. Nachwuchs verzweifelt gesucht. Die Speditionen stehen vor einem Dilemma. Während die Zahl der Straßentransporte kontinuierlich wächst, sind Fahrer knapp, gute Fahrer selten und junge Fahrer bald ganz verschwunden. Die Überalterung ist ein großes Problem. Das noch größere Problem sind die schlechten Rahmenbedingungen, die den Nachwuchs abschrecken. Der Berufsstand der Kraftfahrer kämpft mit Stress, schlechtem Image, geringer Wertschätzung. Die Folgen sind niedrige Bewerberzahlen, hohe Abbrecherquoten bei Ausbildung und Umschulung sowie eine starke Fluktuation des Personals in den Betrieben. Angesichts dieser Entwicklung droht Deutschland eine Lücke von mindestens 150.000 fehlenden Fahrern bis zum Jahr 2022.

Fahrermangel-Statistik zeigt: Transportaufkommen und freie Stellen Wachsen, die Arbeitslosigkeit unter den Berufskraftfahrerinnen sinkt.

Während die Zahl der freien Arbeitkräfte im Bereich Berufskraftfahrer/innen seit Jahren kontinuierlich zurückgeht (Quelle: Bundesagentur für Arbeit), steigen die Tonnen-Kilometer im Güterstraßenverkehr im gleichen Zeitraum um über 1% jährlich. Eine Ende des Trends ist weder bei den Arbeitskräften noch beim Transportaufkommen abzusehen (Quellen: DeStasis, BAG) - Copyright der Infografik: Lkw-Fahrergesucht.com

 

 

Die Erwartungen sind hoch, Bedingungen und Bezahlung schlecht

Ein Leben in der Blechlawine, auf Rastplätzen. Auftraggeber, die auf Pünktlichkeit drängen. Der Druck ist auf jedem Meter spürbar. Die Kraftfahrer sind meist das letzte Glied in einem immer komplexeren, sich schnell drehenden Logistikkarussell. Nur selten tragen sie die Schuld für fehlerhafte Lieferungen. Jedoch sind sie es, die den Ärger von Kunden und Disponenten an der Rampe oder auf der Straße abbekommen. Transport, Ladungssicherung, Kundenkontakt – das Aufgabenspektrum ist vielseitig. Doch weder Ansehen noch Gehalt halten mit den hohen Anforderungen mit.

 

Wertschätzung für Kraftfahrer – Die Initiative FairTruck setzt Zeichen

Wer händeringend nach Fahrern sucht, darf die Berufssparte nicht mit Füßen treten. Vor diesem Hintergrund startete die Logistik-Initiative Hamburg (LIHH) im Oktober 2016 gemeinsam mit sechs Partnern und zwei Dienstleistern das Projekt FairTruck. FairTruck hat das Ziel, den Berufsstand des Kraftfahrers aufzuwerten und sich für verbesserte Arbeitsbedingungen und Fairplay einsetzen. Als Messlatte dient der FairTruck-Codex. Unternehmen, die sich zur Einhaltung dieses Codex verpflichten, erhalten das FairTruck-Siegel.

 

Lkw-Fahrer bewerten die Fairness ihrer Auftraggeber

Die FairTruck Partner haben sich in ihren Grundstatuten auf einen Katalog von Fairness-Kriterien geeinigt. Sie verteilen sich auf vier Kategorien:

  • Wertschätzung und Partnerschaft
  • Entlohnung
  • Qualifizierung, Sicherheit, Gesundheit
  • Nachhaltigkeit und Umwelt

Nur die Lkw-Fahrer können beurteilen, ob der Umgang wirklich freundlich war, Unternehmen fair und pünktlich zahlen oder Gesundheitsrichtlinien einhalten. Bei FairTruck bewerten die Fahrer deswegen selbst. In regelmäßigen Abständen validieren sie die Partner-Unternehmen nach den Codex-Kriterien auf www.fair-truck.de oder über die FairTruck-App. Damit verleiht man den Berufskraftfahrern eine Stimme, mit der sie ihren Arbeitsalltag optimieren können. Die Idee hinter der bundesweiten Initiative ist es zum einen, die Belange und Bedürfnisse der Fahrer zu hören und zu berücksichtigen und zum anderen, die Firmen zu einem fairen, transparenten und verantwortungsvollen Umgang zu verpflichten.

 

Lkw vor Güterzügen und Binnenschiffen

Im Vergleich zu Güterzügen und der Binnenschifffahrt haben Lkw bei der Waren-Logistik auch weiter die Nase vorn. Die Statista-Erhebung von 2015 über die prognostizierte Verkehrsleistung im deutschen Güterverkehr bis 2030 zeigt auf, dass Lastkraftwagen einen wesentlich größeren Anteil am Güterverkehr tragen werden als Güterzüge oder Binnenschiffe. Nach wie vor werden Logistik-Dienstleister also auf Lkw-Fahrer angewiesen sein.

 

Der Lkw-Fahrer als fester Bestandteil einer funktionierenden Logistik

Ohne Fahrer kommt der Waren- und Produktionskreislauf unserer Wirtschaft ins Stocken. Deswegen müssen Unternehmen besser heute als morgen umdenken und den Wert des Berufskraftfahrers neu definieren. Wer Fahrer auf die Funktion des Fahrzeuglenkens reduziert, ist auf dem Holzweg. Wer sie als Visitenkarte des Unternehmens und als verantwortlicher Begleiter der ihm anvertrauten Waren begreift, handelt richtig.

Lkw-Fahrer fahren nicht nur. Sie regeln die Übergabe an den Empfänger, sind zuständig für Transport- und Ladungssicherung und müssen bei unvorhersehbaren Ereignissen eingreifen. Mit zuverlässigen Fahrern verschafft man sich entscheidende Wettbewerbsvorteile. Unternehmen müssen ihre Fahrer fördern, fair behandeln und an sich binden.

Es ist an der Zeit, dem Berufskraftfahrer das Image zu schenken, das er schon lange verdient. Und ihm eine Stimme zu verleihen. Die LIHH hat gemeinsam mit Partnerunternehmen diese Notwendigkeit erkannt. Die Initiative FairTruck erhöht in der Öffentlichkeit das Bewusstsein für die Leistung der Berufskraftfahrer sowie den allgemeinen Wert von Transport und Logistik. Es an uns, die Weg mitzugehen und zu unterstützen.

 

Yeliz Kavak-Küstner ist Leiterin Marketing, PR & New Business bei pfenning logistics. Das Unternehmen ist von der ersten Stunde an Partner der Initiative FairTruck.