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Fördertopf mit einem Volumen von fünf Millionen Euro für LKW-Abbiegeassistenz-Systeme nach nur 5 Tagen leer.

Öffentlichkeitswirksam hat Bundesminister Andreas Scheuer ein neues, fünf Millionen schweres Förderprogramm aufgelegt mit dem erklärten Ziel: “...Zukünftig soll kein Lkw mehr ohne Abbiegeassistent unterwegs sein...“. Startschuss des Förderprogramms war der 21. Januar 2019, doch bereits nach wenigen Tagen war der Fördertopf für den Abbiegeassistenten leer. Denn was vielversprechend klang, entpuppte sich als Zuschuss für nur rund 3000 Fahrzeuge. Das Bundesamt für Güterkraftverkehr (BAG) nimmt keine Anträge mehr an.

Bisher war die Förderung für Abbiegeassistenz-Systeme für Lkw über 7,5 Tonnen über das De-minimis Programm möglich, das in diesem Jahr über ein Volumen von über 252 Millionen Euro verfügt.

Der neu ins Leben gerufene Fördertopf mit deutlich geringeren Zuschüssen wird nun unter den schweren Nutzfahrzeugen und den Lkw ab 3,5 Tonnen aufgeteilt. Somit kommen weniger Unternehmen in den Genuss eines geförderten Abbiegeassistenten. Das eigentliche Ziel, durch die Förderung von Abbiegeassistenz-Systemen für mehr Sicherheit im Straßenverkehr zu sorgen, ist erneut in weite Ferne gerückt.

Ticker Fördertopf leer

Weitere, umfassendere Infos zum Thema gibt es hier:

Neuer Fördertopf für Abbiegeassistenzsysteme.

Im heutigen Ratgeber beschäftigen wir uns einem Thema, das vielen von euch im täglichen Straßenverkehr ein mulmiges Gefühl beschert – der Unfallgefahr beim Abbiegen. Da kann der Lkw-Fahrer noch so erfahren und umsichtig sein, der »Tote Winkel« lauert an jeder Kreuzung. Dass es sich hierbei keineswegs um ein seltenes Phänomen handelt, darauf weisen die steigenden Unfallzahlen hin. Ein Abbiegeassistenzsystem kann Leben retten und wird von der Bundesregierung seit Januar 2019 noch stärker finanziell gefördert. Das erklärte Ziel: Jeder Lkw soll mit einem Abbiegeassistenten ausgestattet sein! Wir klären darüber auf, was es zu beachten gilt und weshalb Abbiegeassistenzsysteme zur Grundausstattung des Lkw-Fahrers gehören sollten.

 

IchHabDenAssi-Aktionsaufkleber

 

Das Wichtigste in Kürze für euch zusammengefasst:

  • Bislang sind Abbiegeassistenzsysteme nicht gesetzlich vorgeschrieben, allerdings könnte bis 2022 ein entsprechendes Gesetz geschaffen werden.
  • Die Ausrüstung des LKW mit einem Abbiegeassistenten ist freiwillig und wurde bislang im Rahmen des De-minimis Programms gefördert.
  • Jeder Lkw soll mit einem Abbiegeassistenten ausgestattet sein: Mit der „Aktion AAS“ kommt es ab dem 21.01.2019 zu einem eigens geschaffenen Förderprogramm.
  • Förderanträge können ab dem 21.01.2019 beim BAG gestellt werden.
  • Die Antragsfrist läuft bis zum Oktober des jeweiligen Jahres.
  • Die Fördergelder belaufen sich pro Jahr auf 5 Mio. Euro und werden voraussichtlich 5 Jahre lang ausgezahlt (haushaltsabhängig).
  • Nur Abbiegeassistenzsysteme, die den technischen Anforderungen entsprechen, werden gefördert (Kamera-Monitor-System + akustisches/optisches Warnsignal).

Balken Inhaltsverzeichnis

    »  Neuer Fördertopf für Abbiegeassistenzsysteme
    »  Ausgangslage zur Förderung des Abbiegeassistenten
    »  Der Nutzen von Abbiegeassistenzsystemen – dem Toten Winkel „auf der Spur“
    »  Pläne der EU zur Verpflichtung von Abbiegeassistenzsystemen
    »  Der Abbiegeassistent – Welche Anforderungen muss er erfüllen?
    »  Warum sind bislang so wenige Fahrzeuge mit einem „Abbiegeassi“ ausgerüstet?
    »  Bereits 44 Sicherheitspartner für die Aktion Abbiegeassistent
    »  Kosten der unterschiedlichen Systeme
    »  Kamerabasierende Systeme – die Lage entspannt im Blickfeld haben
    »  Softwarebasierende Systeme – die digitale »Hybridlösung«
    »  Radarbasierende Systeme – bewegliche Objekten aufspüren
    »  Die Kostenfrage – relativiert sich im Hinblick auf das Sicherheitsrisiko
    »  Bisherige Förderung De-minimis
    »  Technische Anforderungen an Abbiegesysteme
    »  Fakten zur Förderung durch das BAG
    »  Der Abbiegeassi – ein Sicherheitstool mit Sympathiewirkung

Blauer Trennbalken Inhaltsverzeichnis

Ausgangslage zur Förderung des Abbiegeassistenten


Wie dringlich der Sachverhalt ist, zeigt sich unter anderem in der Grafik, die wir für euch aufbereitet haben. Dabei belegen die statistischen Daten, dass bei „Lastkraftwagen mit Normalaufbau und einem zulässigen Gesamtgewicht über 3,5 t“ die Abbiege- und Einbiegeunfälle gleich hinter den Längsverkehrunfällen auf Rang zwei landen. Die Zahl der Schwerverletzten oder sogar getöteten Personen weist zudem darauf hin, dass die Kollision zwischen Lkw und Fahrradfahrer oder Fußgänger fast immer tragisch endet.

Etwa ein Drittel der jährlich getöteten Radfahrer sterben bei Abbiegeunfällen durch rechtsabbiegende Lastkraftwagen. Allein 2017 gab es mehr als 50 tödlich verlaufende Abbiege-Unfälle. Laut dem statistischem Bundesamt kam es in den Jahren 2012 bis 2016 beim Rechtsabbiegen von Lkw zu 620 Unfällen mit Radfahreren.

Von der Bundesregierung gab es bislang eine Beihilfe zur Anschaffung eines Abbiegeassistenten mittels des De-minimis Förderprogramms. Da die De-minimis-Förderung umfangreiche Maßnahmen fördert, lag der Antrag auf Förderung eines Abbiege-Assis im Ermessen des Antragstellers. Unter der Federführung von Bundesminister Scheuer werden mit der neuen Abbiegeassistenten-Förderung (Förderprogramm AAS) in Höhe von 5 Millionen Euro Anreize geschaffen, die Lkw freiwillig mit den lebensrettenden Systemen auszustatten.

 

Grafik-Tod-durch-Abbiegeunfälle

Der Nutzen von Abbiegeassistenzsystemen – dem Toten Winkel „auf der Spur“


Man muss kein Sherlock Holmes sein, um dem Toten Winkel auf die Spur zu kommen. Aus dem Physikunterricht der Schule ist in puncto Lichtreflexion noch das Gesetz: Einfallswinkel gleich Ausfallswinkel geläufig. Ein Spiegel funktioniert genau nach diesem Prinzip. Aus der Sitzposition des Fahrzeuglenkers (Blickwinkel) und der Ausrichtung des Seitenspiegels am Fahrzeug resultiert der Bereich, den der Lkw-Fahrer überschauen kann. Dabei entsteht dicht zum Fahrzeug hin eben jener Tote Winkel, den der Berufskraftfahrer (BKF) nicht einsehen kann. Das Problem: Genau hier hält sich unter Umständen ein Radfahrer auf, der sich seitlich am Lkw positioniert hat oder sogar schnell daran „vorbeischlängeln“ will. Zwar lässt sich die Sicht des Fahrers durch Zusatzspiegel verbessern, doch stellt dies keine befriedigende Lösung dar. Radfahrer sind flink, insbesondere Rad-Kurierfahrer. Zeigte eben noch der Blick in den Seitenspiegel freie Fahrt an, kann schon einen Moment später Gefahr in Verzug sein. Abbiegeassistenzsysteme, die in Echtzeit optisch und akustisch auf andere Verkehrsteilnehmer aufmerksam machen, stellen im Vergleich zu bloßen Spiegeln eine viel effektivere Hilfe dar. Laut Schätzungen des ADFC und der Versicherer-Unfallforschung könnten dank „Abbiegeassi“ 60 % der schweren Unfälle verhindert werden.

Dieser Umstand ist für den Lkw-Fahrer eine enorme Entlastung. In der Regel werden Lkw-Fahrer bei Abbiege-Unfällen zu bis zu 150 Tagessätzen zu je 30 Euro verurteilt. Das Fatale: Die Fahrer gelten als vorbestraft bei einer Verurteilung ab 90 Tagessätzen!

 

Ghost Bike in Berlin

Pläne der EU zur Verpflichtung von Abbiegeassistenzsystemen


Doch das deutsche Sicherheitsbewusstsein ist in vielen anderen EU-Ländern weniger ausgeprägt. Eine verpflichtende Einführung von Abbiegeassistenz-Systemen wird von vielen wegen angeblich zu hohen Kosten abgelehnt. Unter diesen Umständen kann eine EU-weite Verpflichtung noch Jahre dauern.

Deutlich zu lange, findet auch Bundesminister Scheuer, der nach eigenen Angaben lieber heute als morgen die im Koalitionsvertrag vereinbarte Einführung der Abbiegeassistenzsysteme durchsetzen würde. Auch die einzelnen Bundesländer sind dieser Auffassung und sprachen sich im Sommer 2018 für die Nachrüstung älterer Fahrzeuge ab 7.5 t aus. Durch das politische Engagement kommt es nun in Absprache mit Herstellern, Fuhrunternehmen und Handelsketten zur „Aktion Abbiegeassi“ – einer Fördermaßnahme, die auf den freiwilligen Einbau eines Abbiegeassistenzsystems setzt.

Flash Bike: Während seit Jahren über die verpflichtende Einführung von Assistenzsystemen diskutiert wird, setzt die Stadt Garbsen auf alternative Systeme zum Schutz der Radfahrer. Seit einigen Wochen ist in Garbsen als Pilotversuch das sogenannte „Bike-Flash“ in Betrieb. Dieses System wird an Kreuzungen an Halterungen bzw. Ampeln montiert. Durch eine im System verbaute Wärmesensorik zeigt das System auf Leuchtbügeln ab einer Entfernung von 40 Metern herannahende Radfahrer an.

 

Neues Assistenzsystem Bike Flash

Der Abbiegeassistent – Welche Anforderungen muss er erfüllen?


Passive Kamera-Monitorsystem (wie sie zum Teil bereits im Lkw-Führerhaus anzutreffen sind) weisen den Nachteil auf, dass sie nur in dem Moment hilfreich sind, wenn der Berufskraftfahrer direkt auf den Monitor blickt. In einer konkreten Abbiegesituation wirken jedoch zahlreiche Eindrücke auf den BKF ein. In der Regel muss er ein halbes Dutzend Rückspiegel, Gegenverkehr, Beschilderung, Ampelanlagen und sein eigenes Fahrzeug im Blick haben. Hinzu kommt die Tatsache, dass sich gerade Verkehrsteilnehmer mit Bike sehr flink bewegen. Das heißt, von einem Moment zum anderen kann sich eine Gefahrensituation ergeben. Um beim Abbiegen für ein Höchstmaß an Sicherheit zu sorgen, erläutern Experten, welche Maßnahmen dazu erforderlich sind.

  • Ein Abbiegeassistenzsystem muss den fließenden Verkehr permanent überwachen können.
  • Der Berufskraftfahrer muss akustisch und optisch auf eine Gefahrensituation aufmerksam gemacht werden.
  • Die Signalintensität kann sich von einer herannahenden bis zur akuten Gefahr entsprechend steigern.
  • Im Idealfall wird das Fahrzeug ohne dazutun des BKFs in einer akuten Gefahrensituation automatisch eingebremst.


Hinweis: Aktuell besteht nur bei zwei Lkw-Herstellern die Möglichkeit, ab Werk bei Neufahrzeugen radarbasierende Abbiegesysteme zu bestellen – bei Daimler Trucks und seit der IAA-Nutzfahrzeuge im September 2018
auch bei der VW-Tochter Scania. Darüber hinaus arbeiten die Ingenieure bei Daimler-Trucks an einem System, das bei akuter Gefahr automatisch einbremst.

 

Da die EU-Kommission erst im Jahr 2022 plant, den Abbiege-Assistenten in allen „neuen Fahrzeugtypen“ sowie 2024 in allen „Neufahrzeugen“ vorzuschreiben (ältere Bestandsfahrzeuge sind demnach bislang gar nicht berücksichtigt) ergreift das Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) nationale Maßnahmen für mehr Sicherheit im Straßenverkehr. Dazu gehört seit Oktober 2018 auch die „Aktion Abbiegeassistent“. Für diese Aktion wurden vom Bund Fördergelder bewilligt. Diese Fördergelder aus dem Förderprogramm Abbiegeassistenzsysteme (= AAS) lassen sich über ein Antragsformular abrufen. Anträge für eine Förderung können seit dem 21. Januar 2019 gestellt werden. Förderfähig sind alle Abbiegeassistenzsysteme, die die im Verkehrsblatt (Stand: 15. Oktober 2018) veröffentlichten Kriterien erfüllen. Die administrative Umsetzung des Förderprogramms „AAS“ untersteht dem Bundesamt für Güterverkehr (BAG). Dort werden die Online-Antragsunterlagen im eService-Portal zur Verfügung gestellt. Einige von euch werden dieses Prozedere bereits vom „De-minimis“ Förderprogramm kennen, dessen einzelne Leistungen sich ebenfalls über das eService-Portal beantragen lassen. Einzelheiten, im Besonderen zur Antragstellung und Fördervoraussetzungen lassen sich auf der Website des BAG einsehen: www.bag.bund.de.

 

LKW Toter Winkel

Warum sind bislang so wenige Fahrzeuge mit einem „Abbiegeassi“ ausgerüstet?


Was sind die Gründe, weshalb bislang so wenige Fahrzeuge mit einem Abbiegeassi ausgerüstet sind? Da ist zunächst das blinde Vertrauen an die am Fahrzeug angebrachten Spiegel. Es trifft zwar zu, dass sich durch zusätzliche arrangierte Spiegel im und seitlich des Fahrzeugs auch der bislang Tote Winkel einsehen lässt, aber dabei wird ein entscheidendes Detail übersehen: Der BKF eines größeren Kraftfahrzeugs muss beim Abbiegen innerhalb kürzester Zeit den Bereich a) links von ihm, b) davor sowie c) rechts im Auge behalten. Dabei kommt es immer zu einem kurzen Moment, in welchem er die rechte Flanke nicht im Blick hat. Zudem sind es tragischerweise oftmals Kinder, die bei einem Abbiegeunfall schwer verletzt oder sogar getötet werden. Und gerade Kinder sind mit ihren kleinen Rädern nur als winzige Punkte auf dem Spiegel zu erkennen.

Der zweite Grund für die mangelnde Ausrüstung lag bislang an der nicht klar definierten Ausgangslage, bzw. Vorgabe des Gesetzgebers. So musste eine Person, die sich für das Thema interessiert, bereits zur Kenntnis nehmen, dass ein allein nationaler Gesetzesentwurf gegen EU-Bestimmungen verstoßen würde. Die EU Kommision arbeitet zwar daran, den Toten Winkel „verschwinden“ zu lassen, doch das benötigt offenbar seine Zeit (geplant bis 2022/2024). Wobei die bisherigen Pläne nur neuere und neu gekaufte, aber keine Bestandsfahrzeuge mit einschließen (Thema Nachrüstung). Zudem wird diskutiert, wie genau ein solches System funktionieren soll. So sieht es die EU-Kommission bislang nicht zwingend erforderlich an, dass ein System das Fahrzeug selbstständig abbremst. Vielmehr soll es darum gehen, mittels akustischen und optischen Signalen auf die Gefahr aufmerksam zu machen. Während in Brüssel noch eifrig diskutiert wird, begeistern sich in Deutschland immer mehr Partner für die Aktion AAS.

 

Die Bundesregierung beobachtet das Thema seit Jahren. Schon vor drei Jahren gab es die Bereitschaft, die Ausstattung von Abbiegeassistenten zu fördern. Allerdings gab es zu diesem Zeitpunkt noch kein gut funktionierendes System. Die bisherigen Systeme hatten eine hohe Fehlerquote. Per Signalton wurde ständig Gefahr angezeigt, die real gar nicht bestand. Das führte dazu, dass der genervte Lkw-Fahrer das Gerät abstelle und im Ernstfall wieder auf sich gestellt war. Erst seit ca. einem Jahr gibt es diese gut funktionierende technische Lösung, die Leben rettet.

Bereits 44 Sicherheitspartner für die Aktion Abbiegeassistent


Bereits 44 sogenannte Sicherheitspartner unterstützen die Aktion »#IchHabDenAssi« von Bundesminister Scheuer. Als Sicherheitspartner verpflichten sich die Unternehmen, vor dem verbindlichen Einführungsdatum auf EU-Ebene, ihren Fuhrpark bereits jetzt schon mit Abbiegeassis nachzurüsten oder Neufahrzeuge mit Abbiegeassi anzuschaffen oder auf ihre Vertragspartner entsprechend einzuwirken.

 

 

Abbiegeassistent freiwillig nachrüsten

 

Nachfolgend eine Auflistung der 44 Sicherheitspartner sowie den offiziellen Unterstützern der Aktion Abbiegeassi.

Offizielle Sicherheitspartner

- Alba Group

- Aldi Nord

- Aldi Süd

- DB Schenker

- Dekra

- Edeka / Netto-Marken Discount

- Lidl

- Rewe / Penny-Markt

- Serrahn Spedition+Logistik GmbH

- Koch International

- Brüner – Transporte GmbH & Co KG

- Frye Transport-Logistik GmbH

- Bunte Spedition GmbH

- Sievert Handel Transporte GmbH

- Hellmann Worldwide Logistics Road & Rail GmbH & Co. KG

- Sostmeier Spedition und Logistik GmbH

- Spedition Kellershohn GmbH & Co. KG

- NOSTA Group

- Coppenrath & Wiese KG powered by Overnight Tiefkühl-Service GmbH

- Spedition Brucker GmbH

- Weck+Poller Holding GmbH

- Heinrich Hamprecht Kraftverkehr u. Spedition e. Kfm.

- Spedition Jakob Weets e.K.

- Landauer Transportgesellschaft Doll KG

- HaBeMa Vertriebsgesellschaft mbH & Co. KG

- Krage Speditionsgesellschaft mbH

- Meyer & Meyer Holding SE & Co KG

- Spedition Jackenkroll GmbH

- Usinger & Stancke Schwertransport GmbH & Co. KG

- Transgourmet Deutschland GmbH & Co. OHG

- Bärnreuther + Deuerlein Schotterwerke GmbH & Co. KG

- Norma Lebensmittelfilialbetrieb Stiftung & Co OHG

- Bauking AG / Bauking Ostfalen GmbH

- CEMEX Deutschland AG

- Dennes Dominik Schwer und Tiefladertransporte

- Transport Pack und Logistik TPL GmbH

- Walter Schmidt Speditions GmbH

- Sünkler Spedition + Transportlogistik GmbH

- Pähler GmbH & Co. Bau- und Speditions KG

- Windgätter u. Sohn GmbH

- August Wessels GmbH

- Georg Boll GmbH & Co. KG

 

Offizielle Unterstützer

- Allgemeiner Deutscher Automobil-Club e. V. (ADAC)

- Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club e. V. (adfc)

- Auto Club Europa e. V. (ACE)

- Berufsgenossenschaft Verkehrswirtschaft Post-Logistik Telekommunikation (BG Verkehr)

- Bundesverband der Autovermieter Deutschlands e. V. (BAV)

- Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft e. V. (BDE)

- Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer e. V. (bdo)

- Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen e. V. (BGA)

- Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung e. V. (BGL)

- Bundesverband Möbelspedition und Logistik e. V. (AMÖ)

- Bundesverband Paket und Expresslogistik e. V. (BIEK)

- Bundesverband Wirtschaft, Verkehr und Logistik e. V. (BWVL)

- Deutscher Speditions- und Logistikverband e. V. (DSLV)

- Deutscher Städte- und Gemeindebund e. V. (DStGB)

- Deutsches Verkehrsforum e. V. (DVF)

- Hauptverband der Deutschen Bauindustrie e. V. (HDB)

- Landvsverband Bayerischer Spediteure e. V. (LBS)

- Pro Mobilität – Initiative für Verkehrsinfrastruktur e. V.

- Verband der Automobilindustrie e. V. (VDA)

- Verband der Bayerischen Entsorgungsunternehmen e. V. (VBS)

- Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller e. V. (VDIK)

- Verband der TÜV e. V. (VdTÜV)

- Verband kommunaler Unternehmen e. V. (VKU)

- Zentralverband Deutsches Baugewerbe e. V. (ZDB)

- Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe e. V. (ZDK)

 

EDEKA entwickelt eigenes System

Kosten der unterschiedlichen Systeme

Mangelnde Kenntnis zu den Kosten der Assistenzsysteme mag mit ein Grund für den zögerlichen Einbau sein. Dabei fallen die Anschaffungskosten im Hinblick auf die Neuanschaffung eines Lastkraftwagens ohnehin kaum ins Gewicht. Assistenzsysteme lassen sich grob in drei Kategorien einteilen, wobei die Grenzen hier oftmals fließen sind und Systeme nach mehreren Kriterien funktionieren.

Kamerabasierende Systeme – die Lage entspannt im Blickfeld haben

Für das kamerabasierende System wird außen an der rechten Fahrertürseite eine Weitwinkelkamera angebracht. In der Fahrerkabine befindet sich ein Monitor, der den gesamten Bereich des Toten Winkel anzeigt. Das Kamerasystem orientiert sich an Parametern wie Lenkeinschlag, Geschwindigkeit und Blinkersignal. Zudem überwachen vier Sensoren den Bereich rechts vor dem Fahrerhaus bis in etwa zwei Meter hinter der Vorderachse. Wird ein Hindernis erkannt, gibt das System ein akustisches und visuelles Signal aus.

Softwarebasierende Systeme – die digitale »Hybridlösung«

Auch bei softwarebasierenden Systemen kommt eine Außenkamera zum Einsatz. Die Software orientiert sich an Farbveränderungen und Bildfrequenz – und erkennt über einen Algorithmus Gefahren im Toten Winkel. Dieser Algorithmus unterscheidet im Bruchteil einer Sekunde, ob es sich um bewegte Objekte wie Fahrradfahrer und Fußgänger handelt, oder ob statische Objekte wie parkende Autos, Masten und Ampeln vom Berufskraftfahrer passiert werden. Das System „filtert“ demnach die Daten und warnt zweistufig. Gerät ein Biker in den Gefahrenbereich, wird zunächst optisch gewarnt. Leitet der LKW-Führer den Abbiegevorgang durch Blinker setzen oder Lenkeinschlag ein, ertönt ein akustischer Alarm.

Radarbasierende Systeme – bewegliche Objekten aufspüren

Das Radar überwacht permanent den Bereich rechts neben dem Lastkraftwagen oder Omnibus und erkennt bewegliche Objekte. Auch dieses System verfährt nach einem zweifachen Warnmodus. Dem BKF wird zunächst ein optisches Signal gegeben. Dieses springt bei einer berechneten Kollision sofort auf rot und lässt einen zusätzlichen Warnton erklingen. Daimler Benz arbeitet derzeit an einem System, das darüber hinaus sogar in der Lage ist, das Fahrzeug bei Gefahr automatisch einzubremsen.

Abbiegeassistent kosten nicht mal 2000 €

Die Kostenfrage – relativiert sich im Hinblick auf das Sicherheitsrisiko

Vorbildlich setzte Edeka Südbayern die freiwillige Vorgabe um. Edeka ist ein Vorreiter in Sachen „freiwilliger Einbau von Abbiege-Assistenten“. Doch auch der technische Leiter stand im Jahr 2015 vor dem Problem, dass es kein gut funktionierendes System gab. Zwar hatte das Unternehmen bereits Erfahrungen mit Rückfahrkameras, jedoch gab es zum damaligen Zeitpunkt für die Abbiegeassistenz keine befriedigende Lösung zur Nachrüstung. Aus der Kontaktaufnahme mit der Unfallforschung der Uni München sowie Wünschen und Erfahrungen seiner Fahrer resultierte das aktuelle „Edeka-Assistenzsystem“. Das kamerabasierende System kostet inklusive Einbau ca. 1.000 Euro. Aktuell ist das System nicht nur in der 300 Fahrzeug starken Edeka-Flotte verbaut, sondern in mehr als 1.500 Fahrzeugen von externen Firmen und Behörden.

 

 

Eine weitere gute Lösung zur Nachrüstung aber auch für Neufahrzeuge geeignet, stellt das Abbiegeassistenzsystem der LUIS Technology GmbH dar. Das softwarebasierende System ist modular konzipiert und lässt sich in eine vorhandene Infrastruktur integrieren (Bord-Navigationssystem, vorhandene Seitenkamera, etc.). Auch ist es möglich, zunächst nur Seiten- und Frontkameras zu erwerben und später die Steuerbox nachzurüsten. Seine ganzen Vorzüge spielt das System aber im kompletten Set aus. Der als Smart Turn Detect bezeichnete Abbiegeassistent, bestehend aus wasserdichter (IP68), hochauflösender (600 TV-Linien) Kamera, 7 Zoll Video Farb-TFT-Monitor und Steuerbox (2 Kameraeingänge, 1 Video Ausgang), 1 Seitenkamera und 10 Meter Anschlusskabel inkl. Montagematerial – und schlägt aktuell mit 1.784 Euro zu Buche.

Als erster Hersteller weltweit bot Daimler-Trucks bei seinen Nutzfahrzeugen den Abbiege-Assistenten (inzwischen auch Lkw-Hersteller Scania). Das radarbasierende System warnt optisch und akustisch. Erfasst das Radar ein bewegliches Objekt in der rechten Überwachungszone, leuchtet in der A-Säule auf der Beifahrerseite eine LED in Dreiecksform auf. Bei Kollisionsgefahr blinkt die LED mehrfach rot mit höherer Leuchtkraft, danach permanent. Zusätzlich ertönt ein Warnton über einen Lautsprecher der Radioanlage. Es ist geplant, das System auch für das automatische Bremsmanöver vorzubereiten. Über die genaue Funktionsweise ist noch nichts bekannt, aber es darf vermutet werden, dass sich das neue Abbiegesystem am bewährten „Active Brake Assist der vierten Generation“ orientieren wird. Über den Preis für einen neuen Daimler-Truck mit integriertem Abbiege-Assistenten, bzw. ein alternatives Scania-Modell informiert der zuständige Händler vor Ort.

Grundsätzlichlässt sich sagen, dass ein Abbiege-Assistentenz-System inklusive Montage nicht mehr als 2000 Euro kostet – ein eher geringer Betrag, wenn man bedenkt, dass es hier um eine Investion für ein Gerät geht, das Leben retten kann.

Bisherige Förderung De-minimis

Vielen von euch wird das Förderprogramm „De-minimis“ ein Begriff sein. Es fördert Maßnahmen zur Sicherheit im Verkehr und für mehr Umweltschutz. Speditionen können Subventionen in Höhe bis zu 33.000 € beantragen, bzw. bis zu 2.000 € pro Lastkraftwagen. Bisher waren auch Abbiegeassistenten Bestandteil der De-minimis Förderung. Nun erhalten diese mit der „Aktion Abbiegeassistent“ einen eigenen Fördertopf. Der wesentliche Unterschied zwischen De minimis und ASS: De-minimis gilt für Lkw(ab 7,5 t), ASS gilt bereits ab 3,5 t. Falls ihr auch Näheres zu De-minimis erfahren wollt, werft einen Blick in unseren umfangreichen Blogbeitrag: Was ist „De-minimis“ im Güterkraftverkehrsgewerbe?

 

De-Minimis Förderung

Technische Anforderungen an Abbiegesysteme

Der Unterschied zwischen einer herkömmlichen Video Signal Spurwechsel- oder Einparkhilfe und einem Abbiegesystem liegt in der Art des Warnsignals. Nur wenn sich zu einem Kamera-Monitor-System bei Gefahr noch ein Warnton oder ein optisches Signal gesellt, gilt die Anforderung als erfüllt. Bei einem passiven System müsste der Fahrer den Monitor stets im Blickfeld behalten, um sich seiner Sache beim Abbiegen sicher zu sein. Im konkreten Fall also wieder eine Überforderung, da es auch andere Verkehrsteilnehmer sowie Ampeln und Schilder zu beachten gilt. Details zu den technischen Anforderungen finden sich hier: https://www.bag.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/Foerderprogramme/2019/AAS/Downloads/Technische_Anforderungen_AAS.pdf?__blob=publicationFile

Fakten zur Förderung durch das BAG

Der Bund gewährt nach Maßgabe der Richtlinie „AAS“ Zuwendungen für Maßnahmen zur Förderung der Ausrüstung von Abbiegeassistenzsystemen in förderfähigen Kfz. Förderfähige Kfz sind Nutzfahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht von mehr als 3,5 t und Kraftomnibusse mit mehr als neun Sitzplätzen (einschließlich Fahrersitzplatz). Die geförderten Fahrzeuge müssen im Inland für die Ausübung gewerblicher, freiberuflicher, gemeinnütziger oder öffentlich-rechtlicher Tätigkeit angeschafft und betrieben werden. Die Subvention beträt höchstens 80 Prozent der zuwendungsfähigen Ausgaben, maximal jedoch 1.500 € je Einzelmaßnahme. Für jeden Berechtigten einer Zuwendung sind grundsätzlich maximal 10 Einzelmaßnahmen/Jahr förderfähig. Ausnahmen regelt die Richtlinie. Förderanträge können ab dem 21.01.2019 beim BAG gestellt werden. Die Antragsfrist läuft bis zum Oktober des jeweiligen Jahres. Die im Fördertopf befindliche Summe beläuft sich pro Jahr auf 5 Mio. Euro und wird voraussichtlich 5 Jahre gelten. Nur Abbiegeassistenzsysteme, die den technischen Anforderungen entsprechen, werden gefördert (Kamera-Monitor-System + akustisches/optisches Warnsignal). Da es sich bei „AAS“ um eine freiwillige und nur „geringfügige Maßnahme“ handelt (keine Wettbewerbsverzerrung) ist die Aktion EU-konform. Das Förderprogramm „AAS“ tritt außer Kraft, sobald eine nationale oder europäische Rechtsverordnung den Einbau eines Abbiegeassistenzsystems zwingend vorschreibt – spätestens jedoch am 31. Dezember 2024. Ein Rechtsanspruch auf Gewährung der Förderung besteht nicht. Unter anderem trifft das Bundesamt die Entscheidung über einzelne Fördermaßnahmen im Rahmen der verfügbaren Haushaltsmittel. Nähere Informationen unter https://www.bag.bund.de/DE/Navigation/Foerderprogramme/AAS/AAS_2019/aas_2019_node.html

 

Wieviel Lkw mit Abbiegeassistenten ausgestattet sind, ist nicht bekannt, doch hoch dürfte die Zahl nicht sein. Die Abbiegeassistenz-Systeme sind erst seit einem Jahr technisch ausgereift und der weltweit größte Lkw-Hersteller Daimler bietet sie erst seit 2016 an. Was sind also fünf Millionen Euro bei fast 3 Millionen Lkw? Eher der Tropfen auf dem heißen Stein.

 

Grafik: Fast 3 Millionen LKW in BRD

Der Abbiegeassi – ein Sicherheitstool mit Sympathiewirkung

Die Aktion Abbiegeassistent trägt nicht nur zu mehr Sicherheit im Straßenverkehr bei. Schon jetzt zeigt sich durch die Medien eine sehr positive Resonanz bei den Verbrauchern. Es spielt keine Rolle, ob da eine Lebensmittelmarktkette, Baumarktkette, Spedition oder ein anderes Unternehmen mit seiner LKW-Fahrzeugflotte unterwegs ist – wenn das gelb-rote-Logo „IchHabDenAssi“ an der Fahrertür prangt, fördert das die Sympathie für das Unternehmen. Und die positive Stimmung überträgt sich auch auf die Produkte und Dienstleitungen der beteiligten Sicherheitspartner. Der Verbraucher konsumiert bestimmt lieber bei einem Unternehmen, dem das Wohl der Mitmenschen am Herzen liegt. Im Besonderen, da ohne den „gelb-roten-Engel“ womöglich fahrradfahrende Kinder zu Schaden kommen. Die fleißigen Brummi-Fahrer sind indessen bestimmt mit ganzer Leidenschaft für ein Unternehmen unterwegs, das für eine sichere und entspannte Fahrt im dichten Stadtverkehr sorgt.

 

Illustration Toter Winkel

 

Fazit: Berufskraftfahrer wissen, dass es nicht nur um das Gefühl der Freiheit auf Landstraße und Autobahn geht, sondern auch darum, sich im Stadtverkehr zu behaupten. Auf dem Weg zur Be- oder Entladestelle sehen sich BKF einem stetig wachsenden Verkehrsaufkommen ausgesetzt. Die Unfallstatistiken belegen, dass bloße Spiegel nicht ausreichen, um Verkehrsteilnehmer wie Fahrradfahrer und Fußgänger permanent im Blickfeld zu haben. Ein Abbiegeassistenzsystem kann ca. 60 % aller schweren Verkehrsunfälle verhindern. Weist eure Spedition darauf hin. Sicherheitsbeauftragte und Projektverantwortliche, die diese Zeilen lesen, sollten von den Fördermöglichkeiten Gebrauch machen. Ohnehin fallen die Kosten für ein Abbiegeassistenzsystem im Hinblick auf die Neuanschaffung eines Lastkraftwagens kaum ins Gewicht. Und selbst die Nachrüstung lässt sich relativ günstig bewerkstelligen. Eine Sicherheitsmaßnahme, die großem Leid vorbeugen kann. Denn neben den Hinterbliebenen einer im Straßenverkehr verunglückten Person ist auch der Kraftfahrer nach dem Schicksalsschlag oftmals dermaßen traumatisiert, dass er seinen Beruf nicht mehr ausüben kann.